Nach einer zum Jahreswechsel in Kraft getretenen Neuregelung im Kapitalanlagegesetzbuch (KAGB) bedarf künftig auch der Vertrieb von Anteilen an offenen oder geschlossenen Spezialfonds der Aushändigung eines sogenannten Basisinformationsblattes oder von „wesentlichen Anlegerinformationen“.

Dies gilt jedenfalls dann, wenn es sich bei dem interessierten Anleger um einen semiprofessionellen Anleger im Sinne des KAGB handelt. Bislang war die Aushändigung von „wesentlichen Anlegerinformationen“ lediglich beim Vertrieb von Publikumsfondsanteilen an Privatanleger erforderlich.

Die Neuregelung beruht auf einer Verordnung der Europäischen Union aus dem November 2014, deren Ziel es ist, Kleinanleger durch die Pflicht zur Ausgabe von Basisinformationsblättern vor einem Vertragsabschluss möglichst umfassend über das Anlageprodukt zu informieren. Dadurch soll der Anlegerschutz gestärkt und das im Zuge der Finanzkrise verloren gegangene Vertrauen in den Finanzmarkt wiederhergestellt werden.

Die Basisinformationsblätter müssen dabei über die wesentlichen Risiken und über Kostenstruktur sowie Kostenhöhe eines Anlageproduktes informieren, zudem die Renditemöglichkeiten beschreiben und den maximal möglichen Verlust angeben. Sie haben ferner verschiedene Performance-Szenarien abzubilden, die mögliche Entwicklungen des Produkts aufzeigen sollen. Dabei dürfen sie jedoch den Umfang von maximal drei DIN A 4-Seiten nicht überschreiten und müssen in einer „leicht verständlichen Sprache“ abgefasst sein. Sie müssen vor Vertriebsbeginn der BaFin zusammen mit den übrigen Verkaufsunterlagen zur Genehmigung vorgelegt werden.

Im Bereich der geschlossenen und offenen Investmentfonds bestand eine Pflicht zur Ausgabe von vorvertraglichen wesentlichen Anlegerinformationen bislang nur beim Vertrieb von Publikumsfondsanteilen, also Anteilen an Fonds, die nicht ausschließlich professionellen und semiprofessionellen Anlegern vorbehalten sind. Neu ist, dass sie nunmehr auch im Bereich der Spezialfonds beim Vertrieb von Anteilen an semiprofessionelle Anleger, also an solche Anleger, die jeweils mindestens 200.000,- € in das Anlageprodukt investieren und darüber hinaus über ausreichend Erfahrungen und Kenntnisse mit entsprechenden Anlageprodukten verfügen, zwingend ausgehändigt werden müssen. Künftig gehören Basisinformationsblätter oder wesentliche Anlegerinformationen damit auch zu den erforderlichen Verkaufsunterlagen solcher Spezialfonds. Lediglich beim Vertrieb von Anteilen an Spezialfonds an sogenannte professionelle Anleger, zu denen insbesondere institutionelle Anleger wie Kreditinstitute, Versicherungsgesellschaften, Pensionsfonds, große Unternehmen oder staatliche Institutionen gehören, kann auch künftig auf die Aushändigung von Basisinformationsblättern vor Vertragsschluss verzichtet werden.